Dr. Isabel Rohner, Literaturwissenschaftlerin und Autorin

Edition Hedwig Dohm

www.hedwigdohm.de


Zusammen mit der Historikerin Nikola Müller gebe ich seit 2006 die Edition Hedwig Dohm heraus, die kommentierte Gesamtausgabe der Werke der Schriftstellerin Hedwig Dohm (1831-1919). Im Berliner Trafo Verlag haben wir dabei mit Dr. Wolfgang Weist und Ina Walzog engagierte Partner gefunden, und die Grafikdesignerin Marion Kähler hat der Edition ihr Aussehen gegeben.

Obwohl Hedwig Dohm eine der wichtigsten Schriftstellerinnen, Journalistinnen und feministischen Denkerinnen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ist, gab es nie eine Gesamtausgabe ihres umfangreichen Werks. Neben gesellschaftspolitischen Feuilletons und Essays, veröffentlichte die Berlinerin mehrere, zum Teil sehr erfolgreiche Romane und Novellenbände und gehörte im Berlin des 19. Jahrhunderts zu den meist gespielten Theaterautorinnen. Dass das Projekt nun realisiert wird, ist nicht nur ein Desiderat der Forschung.

Seit 2006 stellen Nikola Müller und ich zusammen mit dem Schauspieler Gerd Buurmann Hedwig Dohms Werk in szenischen Lesungen vor (u.a. im Buddenbrookhaus Lübeck, im Institut für Menschenrechte Berlin, an verschiedenen Unis etc.).

Weitere Infos finden Sie unter
www.hedwigdohm.de
 und dem virtuellen Archiv www.hedwigdohm.blogspot.com



Begonnen hat die Edition Hedwig Dohm mit einem Jubiläumsband: Im Jahr 2006 feierten wir den 175. Geburtstag dieser zentralen Vordenkerin der Frauenbewegungen in Deutschland, und zu diesem Anlass haben wir ein Lesebuch mit unterschiedlichen Texten (Feuilletons, Novellen, Briefe, Lyrik) Dohms herausgegeben:

Hedwig Dohm - Ausgewählte Texte. Berlin: Trafo Verlag 2006, 317 Seiten.



Noch im Jubiläumsjahr erschien dann Band 1 der Edition, der Roman "Sibilla Dalmar", der bei seinem Ersterscheinen im Jahr 1896 einen regelrechten Skandal ausgelöst hat - und der durch den Ansturm ein Jahr darauf schon wiederaufgelegt werden musste. Die halbe Münchener Prominenz fühlte sich karikiert und in der Hauptfigur der Sibilla wollte man partout Dohms Tochter Hedwig Pringsheim wiedererkennen.
Der Band enthält dazu eine wissenschaftliche Einleitung und die zeitgenössischen Rezensionen, u.a. von Helene Stöcker und Heinrich Hart.


Hedwig Dohm: Sibilla Dalmar. Roman aus dem Ende unseres Jahrhunderts. Berlin: Trafo Verlag 2006, 305 Seiten.





Band 2: Der Roman "Schicksale einer Seele" hatte wohl den größten Einfluss auf das Bild, das z.T. noch heute von der Autorin kursiert, wurde er doch bis zur Ausreizung autobiografisch rezipiert. Ein großer Fehler, wie wir in unserer Einleitung zeigen. Auch in diesen Band haben wir die zeitgenössischen Rezensionen aufgenommen, u.a. von Ricarda Huch, Anna Pappritz und W. Fred (Alfred Wechsler)

Hedwig Dohm: Schicksale einer Seele. Berlin: Trafo Verlag 2007, 329 Seiten.




Band 3, der Roman "Christa Ruland" ist soeben erschienen. Dohms Trilogie ist damit abgeschlossen. 




Die Edition von Dohms Briefen - bislang sind offiziell gerade einmal 14 Briefe bekannt, wir haben inzwischen 100 Briefe und Handschriften gefunden - folgte unter dem Titel Briefe aus dem Krähwinkel 2009. Unter anderem stand Dohm in Kontakt mit Maximilian Harden, Fritz Mauthner, Gabriele Reuter, Anna Pappritz, Rosika Schwimmer, Ferdinand Lassalle u.v.w. Eine spannede Publikation, die bahnbrechende Neuigkeiten enthält!




Darauf folgt die Edition von Dohms fast 100 Feuilletons, die sie in der Zeit von 1870-1919 veröffentlichte. Die Bandbreite der dafür gewählten Publikationsmedien reicht dabei von der Tageszeitung bis zum Familienblatt. Doch überwiegend wählt Dohm neu gegründete, politisch progressive oder feministisch radikale Zeitschriften wie Minna Cauers "Frauenbewegung", Maximilian Hardens "Die Zukunft", Joseph Blochs "Sozialistische Monatshefte".